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Alkohol

Ein Gläschen Wein zum Essen, ein Bier zum Feierabend: Für die meisten Deutschen gehört Alkoholkonsum zum Alltag. Doch schon niedrige Trinkmengen sind mit Erkrankungsrisiken behaftet, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse belegen. Was viele nicht wissen: Mehr als 200 einzelne Krankheiten, darunter Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen, können durch Alkohol verursacht werden.

Im internationalen Vergleich zählt Deutschland beim Alkohol nach wie vor zu den Hochkonsumländern, mit entsprechend hohen gesundheitlichen Folgen in der Bevölkerung. Es besteht ein dringender Handlungsbedarf, den nationalen Alkoholkonsum zu reduzieren.

Während der Corona-Pandemie gibt es Hinweise auf veränderten Alkoholkonsum. Bislang liegen jedoch kaum belastbare Studien zu diesem Thema vor. Der Forschungsbedarf zu den Auswirkungen der Pandemie auf das Suchtverhalten ist groß.

Die Entwicklung des Pro-Kopf-Konsums für die zurückliegenden Jahre nennt das neue DHS Jahrbuch Sucht: 10,7 Liter Reinalkohol konsumierte jede und jeder Deutsche im Alter ab 15 Jahren im Jahr 2018. Damit stieg der Konsum im Vergleich zum Vorjahr wieder. Zuvor war er von 14,4 Litern Reinalkohol im Jahr 1970 auf 10,5 Liter im Jahr 2017 gesunken. Zwischen 2010 und 2018 stagnierte der Alkoholkonsum weitgehend auf vergleichsweise hohem Niveau.

Eine Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol wurde im Jahr 2019 als dritthäufigste Hauptdiagnose in Krankenhäusern mit 292.601 Behandlungsfällen diagnostiziert, davon waren 212.802 Behandlungsfälle männliche Patienten und 79.798 Frauen. Die Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (F10)“ lag bei den Männern auf dem zweiten Platz der Hauptdiagnosen für 2019. 3.200 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und unter 15 Jahren wurden 2019 wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt. Damit stieg die Anzahl um 8,1 % zum Vorjahr.

In Deutschland sind Hochrechnungen zufolge rund 1,6 Mio. Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren alkoholabhängig. Etwa 1,4 Mio. Menschen konsumieren Alkohol missbräuchlich, d.h. sie trinken große Mengen oder zeigen unter Alkoholeinfluss riskantes Verhalten.

Tabak

Der Anteil der Raucherinnen und Raucher ist in Deutschland seit einigen Jahren rückläufig. Im Jahr 2017 rauchten 26 % der Männer und 19 % der Frauen (ab 15 Jahre und älter). Bei Jugendlichen zeichnet sich seit rund 15 Jahren ein Trend zum Nichtrauchen ab. Dennoch ist das Rauchen in den Industrienationen das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache vorzeitiger Sterblichkeit. Rund 127.000 Menschen starben im Jahr 2018 allein in Deutschland an den Folgen des Rauchens. Das waren 13,3 % aller Todesfälle.

Deutlich gestiegen ist im Jahr 2020 der Verbrauch von Feinschnitt: Er lag bei 26..328 Tonnen (plus 10,6 % gegenüber dem Vorjahr). Das entspricht etwa 39,5 Mrd. selbstgedrehter Zigaretten. Möglicherweise ist dies auf die besonderen Handelsbedingungen und Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zurückzuführen: Da viele Urlaubsreisen in Nachbarländer pandemiebedingt ausfielen, griff ein Teil der Raucherinnen und Raucher auf der Suche nach Alternativen zu den preisgünstigeren Zigaretten im Ausland wohl vermehrt zum Feinschnitt, um selbst Zigaretten zu drehen, so die Einschätzung der Expertinnen und Experten im DHS Jahrbuch Sucht 2021.

Der Konsum von (Wasser-)Pfeifentabak schnellte im Jahr 2020 gegenüber 2019 um 44,3 % auf 5.989 Tonnen in die Höhe. „Dies dürfte insbesondere auf die seit einigen Jahren anhaltende Beliebtheit des speziellen Wasserpfeifentabaks zurückzuführen sein, der vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen Zuhause oder in sogenannten Shisha-Bars geraucht wird“, berichten die Expertinnen und Experten im DHS Jahrbuch Sucht 2021. Auch der Verbrauch von Zigarren/Zigarillos stieg in 2020 gegenüber dem Vorjahr um 3,7 % auf 2,7 Mrd. Stück. 

Dahingegen ist der Konsum von Fertigzigaretten seit Beginn der 2000er Jahre nach und nach gesunken. 73,8 Mrd. Fertigzigaretten verbrauchten die Deutschen im Jahr 2020. Dies entspricht einem Rückgang von 1,1 % gegenüber dem Vorjahr. Der Pro-Kopf-Verbrauch betrug 888 Zigaretten.

Rund 28,8 Mrd. Euro (plus 5,0 %) gaben Konsumierende im Jahr 2020 für Tabakwaren aus. Die Nettoeinnahmen aus der Tabaksteuer stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 % auf 14,6 Mrd. Euro.

Missbrauch und Abhängigkeit von Medikamenten

Schätzungen zufolge sind etwa 1,5 bis 1,9 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig, insbesondere von Schlaf- und Beruhigungsmitteln (Benzodiazepine und Z-Substanzen) sowie von opioidhaltigen Schmerzmitteln. Betroffen sind vor allem ältere Frauen, weil sie häufig über einen langen Zeitraum Psychopharmaka verschrieben bekommen.

Der Missbrauch und die Abhängigkeit von Medikamenten erhöhen sich weiter, wie Studien zeigen. Vor allem die missbräuchlich häufige oder unnötig hoch dosierte Anwendung, teils auch die Gewöhnung an nicht-opioidhaltige Schmerzmittel, ist bei hochgerechnet 1,6 Mio. bis 3,9 Mio. der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland zu beobachten.

Illegale Drogen

Rund 15,2 Mio. Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren und etwa 481.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren haben aktuellen Schätzungen zufolge zumindest einmal in ihrem Leben eine illegale Droge konsumiert.

Cannabis nimmt sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Jugendlichen die prominenteste Rolle ein: 368.000 Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren haben in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert. Bei den 18- bis 64-jährigen Erwachsenen waren es ca. 3,7 Millionen. Nach Hochrechnungen des Epidemiologischen Suchtsurveys aus dem Jahr 2018 sind 309.000 Personen in Deutschland abhängig von Cannabis. Eine Kokainabhängigkeit liegt bei 41.000 und eine Amphetamin-Abhängigkeit bei 103.000 Personen vor.

1.581 drogenbedingte Todesfälle wurden im Jahr 2020 in Deutschland registriert (2019: 1.398 Drogentote).

Glücksspiel

Wie aus dem DHS Jahrbuch Sucht 2021 hervorgeht, wurde auf dem legalen deutschen Glücksspiel-Markt 2019 ein Umsatz (gleichbedeutend mit Spieleinsätzen) von 44,2 Mrd. Euro erzielt. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 3,5 %. Der Umsatz der gewerblichen Geldspielautomaten in Spielhallen und gastronomischen Betrieben ist um 11,9 % auf 25,8 Mrd. Euro gesunken. „Nachdem sich im Jahr 2020 im Spielhallenbereich zunächst eine Stabilisierung der Umsätze auf dem Niveau des Vorjahres abzeichnete, wird für das Gesamtjahr nach dem Lockdown infolge der COVID-19-Pandemie mit einem Rückgang um 50 % gerechnet“, so Glücksspielexperte Prof. Gerhard Meyer im DHS Jahrbuch Sucht 2021. Die Bruttospielerträge des regulierten Marktes erreichten 2019 ein Volumen von 11,470 Mrd. Euro (minus 5,8 %). Auf dem nichtregulierten Markt wurde ein geschätzter Ertrag von 2,207 Mrd. Euro erzielt (minus 16,2 %). Die glücksspielbezogenen Einnahmen des Staates aus erlaubten Angeboten lagen 2019 nahezu unverändert bei 5,409 Mrd. Euro.